Salzburg – Kompositionen mit Hingabe

Salzburger Fussgaengerbruecke
Ich stehe auf der Fußgängerbrücke unter der sich die Salzach in einem dunklen Grün mit seinen Strömungen zeigt. Rechts von mir spiegelt sich die Spätherbstsonne in den Fenstern der aneinander gereihten Häuser. Darüber thront in goldgelbes Licht getaucht die Burg Salzburg.
Auch die Türme des Doms werden angeleuchtet. Ich begebe mich in diesen Teil der Stadt und stehe bald in einer Gasse in der immer wieder weitere Gassen nach links und rechts weiterführen. Die Sonne hat hier nur wenig Gelegenheit hindurch zu blinzeln, da die Häuser dicht gereiht aneinander stehen. Hausdurchgänge und kleine Innenhöfe lassen einen aber die Freude, eine nächste interessante Gasse oder Platz zu entdecken, nicht vergehen. Gedanklich fühle ich mich wie in  Harry Potters Winkelgasse.Mozarts Geburtshaus
Schon bald stehe ich vor einem gelben Haus welches das Geburtshaus eines großen musikalischen Genies war, wie daran zu lesen ist. Die Sonne schafft es hier ein wenig das Eingangstor mit einem Frauenbildnis zu beleuchten. Seine verschieden musikalische Werke verzauberten schon viele Menschen – bis heute- , die dann meist nicht mehr davon loskommen, mich eingeschlossen. Im Musikunterricht beeindruckte mich der Film mit seiner Lebensgeschichte so sehr, dass ich mir am nächsten Tag meine erste klassische CD mit seiner Musik kaufte. Einzigartig, geheimnisvoll, tiefgründig, melancholisch bis leicht beschwingt wirkt seine Musik auf mich. Doch nicht jeder empfand das damals als so Besonderes…

Mensch Mozart!

1779 – Seine Heimatstadt Salzburg war zu dieser Zeit eine sehr beliebte und durch viele bauliche Initiativen der Fürsterzbischöfe des vergangen Jahrhunderts, interessante und charmante Komposition aus Schlössern (wie Hellbrunn oder Mirabell) und Prachtbauten (wie den Dom zu Salzburg) geworden und durchaus von vielen hohen Herrschaften gern besucht.
Gerade zurück von seiner Geschäftsreise aus Paris, landete er mit ziemlichen Verdruss über die ausbleibende Anstellung wieder in seiner Heimatstadt Salzburg. Zudem hatte er dabei auch seine Mutter verloren, die auf dieser Reise erkrankte und sich nicht wieder erholte und als ob das noch nicht ausreichte, litt er auch noch an Liebeskummer. Nach Salzburg wollte er nun ganz und gar nicht wieder zurück, war er doch das letzte Mal recht aufgebracht und unzufrieden über Bezahlung und sein persönliche Anerkennung von hier aufgebrochen. Doch er benötigte ein Einkommen. So erhielt der nun 22 jährige Wolfgang Amadeus Mozart (eigentlich besaß er ja neben Wolfgang und ohne Amadeus drei andere Namen) wieder von Hieronymus von Colloredo, der letzte Fürsterzbischof, eine erneute Anstellung (diesmal etwas besser bezahlt) und einen ersten Auftrag, zum Osterhochamt im Salzburger Dom etwas zu komponieren .
Er komponierte ein sehr leidenschaftlich klingendes Werk. Es ist für mich ein Ausdruck majestätischer Anmut und emotionalen Tiefgangs wo neben himmelhochjauchzenden Hochgefühlen auch ein spürbarer Leidensschmerz oder tiefeTrauer in der Musik fühlbar wird, in der Missa solemmis in C-Dur . Die „Krönungsmesse“ mit fanfarenartigen Trompetenklängen, Pauken und dem Chor und die melancholisch klingenden Oboen mit ausdrucksstarken Solostimmen. Für diesen Auftritt und Anlass in diesem Gebäude wirklich geschaffen…
Wäre Salzburg ohne Mozart und seine Kompositionen heute so bekannt ? Nach seinem Tod und 100 Jahre später war es jedenfalls noch nicht so ….. (anders wie bei Liszt in Weimar zum Beispiel). Eine weitere Komposition, allerdings aus einem völlig anderem Bereich, gab einen Anstoß dazu.Konditorei Fuerst
Ich bin in der Brodgasse 13 angekommen. Das handgeschmiedete blaue Schild mit den goldenen Lettern prangt über dem Kaffeehaus in der Gasse die zum alten Markt führt. Nostalgisch wirkt das Bild auch hier auf mich, im Hintergrund mit den Pferdekutschen wie aus der damaligen Zeit….

Ein Fürst der Schokolade und für Mozart

1884 – Am alten Markt in der Brodgasse 13, eröffnet ein einzigartiger Komponist der Kuchen- und Schokoladenkreationen eine Konditorei. Paul Fürst war bisher mit seinen Werken und Neukreationen unterwegs in Wien, Pest, Paris und Nizza. Ab jetzt sollte auch die Stadt Salzburg von seinen süßen Werken profitieren. Insbesondere gelang ihm dies mit einer Schokoladenkugel, die bis heute viele Besucher in sein Café lockt , das mittlerweile von seinem Ur- Ur-Enkel geführt wird. Eine wirklich runde Kugel aus dunkler Schokolade, gefüllt mit einer bestens abgestimmten Marzipan-, Pistazien- und Nougatfüllung, außen herum in ein Silberpapier gehüllt mit der Silhouette von Mozart in Blau. Diese Komposition, namens Mozartkugel, hatte wirklich seine Goldmedaille bei der Pariser Ausstellung 1905 verdient. Paul Fürst wollte damit dem damals noch eher unbekannten Salzburger Wolfgang Amadeus Mozart eine Reverenz erweisen.
Im Sommer ist es Mozarts Musik, die die Menschen in Scharen nach Salzburg bringt. Im Winter zieht eine andere musikalische Komposition aus dem Salzburger Land während der Weihnachtszeit die Leute an. Eingebettet in das Adventssingen und einer lichten Christkindlmarktatmosphäre, führt dieses Lied seit nunmehr 200 Jahren die Nummer 1 in der Weihnachtsmusikrangliste an. Um mich mehr in die Atmosphäre der Entstehung einfühlen zu können, begebe ich mich aus dem Stadttrubel hinaus und fahre in einem langsam dunkelwerdenden Himmel blickend, – die Sonne zeigt noch mit ein paar Lichtern am Himmel ihr Nachspiel-, entlang der Salzach in das kleine Städtchen Oberndorf.Oberndorf bei Salzburg stille nacht
Durch Lichterketten hindurch schlendernd, stehe ich als erstes vor der sehr eindrucksvollen Grenzbrücke zwischen Oberndorf und Laufen. Ein kräftiger Wind weht gerade und die dunklen Wolken am Himmel tragen die Nacht herein. Weiter entlang an der Salzach, bin ich bald angekommen an der kleinen Stille – Nacht – Kapelle. Es ist eine Bläser – Ensemble zu hören, die Weihnachtslieder erklingen lässt. Am Salzachufer spazieren Bewohner entlang die stehenbleiben, sich herzlich begrüßen und über verschiedene Ereignisse an der Kapelle austauschen, die dieses Jahr besonders ausgeschmückt werden. Denn alles hatte seinen Anfang vor 200 Jahren….

200 Jahre in der Weihnachts Top-Ten

 1816 – Auf der Salzach wurde schon seit Jahren das weiße Gold-das Salz- aus den Salinen von Reichenhall von den Schiffsleuten transportiert. Dort war der kleine Ort Oberndorf das zu Hause vieler Schiffsleute. Bislang hatte Oberndorf zu Deutschland gehört, auch wenn der Fürsterzbischof als Landesherr gut daran mitverdient hatte und das eingenommene Geld unter anderen in seine Schlösser investieren konnte . Doch in jenem Jahr änderte sich die Situation für die Einwohner von Oberndorf und Laufen schlagartig. Bayern gab das Gebiet östlich der Salzach an Österreich ab, bekam dafür viel Geld und ein Weingebiet. Sie nahmen auch nicht wenige Wertsachen aus Salzburg mit. Für die Schiffer und anderen Bewohner brachte die neue Grenze, die über die Laufener Brücke verlief durch Kontrollen und Zoll seine Schwierigkeiten mit sich. Es begann für alle , auch die Salzburger ,eine schwere Zeit, in der Salzburg trotz seiner Prunkbauten verarmte. Es sollte 32 Jahre dauern bis sich daran etwas änderte.
Doch in diesem ganzen Chaos wurde das schönste und von Frieden und Seligkeit strahlende Weihnachtslied kreiert. Dort schrieb der Hilfspfarrer und Seelsorger der Schiffsleute Joseph Mohr das Gedicht „Stille Nacht“. 2Jahre später, 1818, bat er den Dorfschullehrer aus Arnsdorf Franz Xaver Gruber es zu vertonen. Beide führten das mittlerweile weltbekannteste Weihnachtslied das erste Mal in der Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg auf. Von da an ging das Lied auf Reisen und wurde zu echtem Weihnachtsbrauchtum. Der Orginaltext blieb aber in Salzburg. (aufbewahrt im Salzburger Museum).
Die kleine Schifferskirche St. Nikola wurde im 20 Jh. durch Flutschäden fast ganz zerstört. Sie wurde daraufhin abgerissen und als Stille – Nacht – Kapelle wieder aufgebaut Nun tummeln sich hier jedes Jahr viele Besucher – so wie ich.